Bericht 2. Online-Workshop – Kulturlandschaft

Ressourcenschutz, Biodiversität und Kulturlandschaft in der Diskussion

Die gemeinsame Auseinandersetzung mit einer resilienten Entwicklung der LEADER-Region Landkreis Pfaffenhofen, die für die Erstellung der neuen Entwicklungsstrategie notwendig ist, kommt zügig voran. Viele Ideen und Fachwissen wurden von den 41 Teilnehmern eingebracht, als es beim zweiten Online-Workshop darum ging, Gefährdungen für die Bereiche Ressourcenschutz, Biodiversität und Kulturlandschaft zu beleuchten. Da es in der Region bereits einige Initiativen gibt, könnte zukünftig eine Aufgabe von LEADER darin bestehen, „die Projekte miteinander zu vernetzen und sie von einer zur anderen Gemeinde weiterzutragen“, lautete eines der Workshop-Ergebnisse.

„Es gibt noch zu wenig Blühflächen im Landkreis“, machte gleich zu Beginn eine Teilnehmerin mit Blick auf das Insektensterben deutlich, die sich beim Aktionsbündnis „Pfaffenhofen summt – Wir tun was für die Bienen!“ engagiert. Neben Blüh- und Streuobstwiesen können auch Straßenränder oder Bahndämme gezielt begrünt und so kleine Biotop-Verbünde geschaffen werden, wurde eingeschätzt. Bedeutung hat dabei auch die richtige und dauerhafte Pflege der Flächen. Außerdem ist nicht jede Fläche für jede Maßnahme geeignet: In feuchte Bereiche passen eher Wiesengesellschaften, Streuobst nicht in Kältelagen, wurde im Chat ergänzt und auf die Notwendigkeit verwiesen, die Flächen für das „gebietsheimische“ Saatgut vorzubereiten. Speziell zu den Straßenrändern wurde über das Auflegen und spätere Entsorgen des Schnittgutes und über spezielle Mähtechniken diskutiert. Zwar werde so der Boden abgemagert und die biologische Vielfalt gefördert, jedoch gestaltete sich die Handhabung aufwendiger als beim Mulchen, das aktuell noch der Standard ist. „Hier muss die Kommune Vorbild sein und in die ökologische Pflege investieren“, wurde gesagt und aus einer Gemeinde berichtet, die schon länger vorhat, im Bauhof einen Gärtner einzustellen, um die Grünpflege fachgerechter durchführen zu können.

Dazu passt, dass im Oktober 2021 im Landkreis ein Landschaftspflege-Verband gegründet wurde. Als positives Pflege-Beispiel wurde das Naturschutzgebiet „Windsberg“ zwischen Freinhausen in Hohenwart und Starkertshofen in Reichertshofen hervorgehoben, wo die vom Aussterben bedrohten Malven-Langhornbiene vorkommt.

Weitere Potenziale für mehr urbane Biodiversität werden in einer „Durchgrünung der Ortschaften“ gesehen, wozu heimische Stauden, naturnahe Gärten, begrünte Fassaden und Dachbegrünung sowie innerörtliche Bäume gezählt wurden, die für die Tiere, das Kleinklima und die Lebensqualität der Bevölkerung heutzutage wichtig sind. Die dafür notwendige Beratung könnte über die Kreisfachberatung sowie über Kurse der örtlichen Garten- und Naturschutzvereine erfolgen, wurde hierzu vorgeschlagen. Angemahnt wurden fehlende „Baumschutzverordnungen“ in den Kommunen bzw. Baumförderungen als Ergänzung. Bedarf gibt es auch noch bei der Aufklärung und Bewusstseinsbildung der Grundstückseigentümer, welche Pflanzen ökologisch Sinn machen und was im Sinne der Nachhaltigkeit wirklich Bestand hat. „Anders als ein Handy lebt ein Baum viele Jahrzehnte“, forderte ein Teilnehmer zum Umdenken auf. Und mehr Beachtung gebührt dem Friedhof, der als Ressource für mehr Biodiversität bewusst gemacht werden sollte.

Ein weiterer Themenbereich war die Kulturlandschaft und es gab den Hinweis, dass die Möglichkeiten für Kompensationsvorhaben zukünftig stärker genutzt und planerisch vorbereitet werden sollen, um Verluste durch die Ausweitung von Siedlungs- und Gewerbeflächen ausgleichen zu können, wie es im Bundesnaturschutzgesetz vorgeschrieben ist. „Aufgrund der Attraktivität unserer Region ist der Siedlungsdruck bei uns ein Thema“, wurde erläutert und konkret wurden dazu die sogenannte produktionsintegrierte Kompensation und Ökokonten für die Landwirtschaft angesprochen. Bereits vorbildlich im Bereich der Bodenpflege arbeitet die Bodenallianz im Landkreis und Lob gab es für die Plattform für Direktvermarktung im Landkreis. Zukünftiger Handlungsbedarf besteht bei den Randstreifen von Gewässern und Gräben. „Bei kleinen Bächen sollte mehr darauf geachtet werden, dass nicht bis direkt ans Ufer gebaut oder geackert wird“, wurde angemahnt. Als Gefährdung werden auch die großflächigen Maisflächen eingestuft, die unter anderem für ein Biomasse-Heizkraftwerk in Pfaffenhofen angebaut werden. Eine alternative Energiepflanze ist die Silphie, deren attraktive Blüten als Bienenweide Bedeutung haben und so die Biodiversität auf den Äckern fördern können. Allerdings ist die Silphie keine einheimische Pflanze und für spezialisierte Insekten keine Alternative, wurde eingeschränkt. Ein letzter Diskussionspunkt galt der Reduzierung der Lichtverschmutzung. Dazu wurden technische und bedarfsorientierte Lösungen wie der Einsatz von Bewegungsmeldern empfohlen, die auch bei gewerblichen Objekten möglich sind.

2 Gedanken zu „Bericht 2. Online-Workshop – Kulturlandschaft“

  1. Projektidee von Sigi Ebner per Mail am 01.02. zur Nöttinger Viehweide und dem ausgedehnten Kiesweihergebiet zwischen Geisenfeld und Manching.
    In meinen Augen ist das zusammen hervorragend geeignet als Erholungsgebiet für Natur und Menschen. Und wie das ausschauen könnte hab‘ ich mir schon ein paar Mal am Altmühlsee angeschaut. Wäre auch einmal eine Idee für einen Ausflug des Kreistages, ich würde auch mitfahren oder dazukommen. Dort gibt es Bade- und Freizeitmöglichkeiten für die Menschen
    und die Vogelinseln als Rückzugsort aber auch mit Brücken und Wegen zur Naturerkundung.

    Dabei denke ich schon wieder an einen Turm J, einen Aussichtsturm sowie es ihn dort zur Natur- und Vogelbeobachtung gibt, mit Infotafeln usw. Einen solchen Turm könnte man z.B. aus dem LEADER-Topf finanzieren.

    Naherholung spart Zeit und auch Treibstoff für Auto, Flugzeug und Schiff d.h. es senkt den CO2 Ausstoß – Klimarelevanz!!
    Bademöglichkeiten sind eine Abkühlmöglichkeit in vmtl. immer heißere Sommer, in denen keiner mehr in den Süden will!
    Rückzugsgebiete für die Natur sind wichtig für die Biodiversität
    Naturerkundung schafft Verständnis und klärt auf, dass der Mensch nicht die Krone der Schöpfung ist, sondern ein Teil davon.
    Immer deutlich zu spüren wenn über den Biber geschimpft oder geschrieben wird:
    Wenn der Mensch einen Baum fällt: Ist es notwendig!
    Wenn der Biber einen Baum fällt: Ist es ein Frevel J
    Wobei man sich bei Überpopulation (Graugäse/Biber) schon auch über Entnahme Gedanken machen darf – meine persönliche Sicht.

    Die Vernässung/Moorbildung von Gebieten in der Nöttinger Viehweide und die Realisierung einer Anlage zur Herstellung von Pflanzenkohle aus holzigen Abfällen sind weitere Themen die mir durch den Kopf gehen.

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