Bericht 3. Online-Workshop – Daseinsvorsorge

Bevölkerungszuwachs als Herausforderung für die LEADER-Region Landkreis Pfaffenhofen: 3. Online-Workshop diskutiert Gefährdungen für die Daseinsvorsorge und das Wohnen

Bis 2040 wird die Bevölkerung in Bayern weiter zulegen und mit 11,3 Prozent wird der Landkreis Pfaffenhofen mit am stärksten wachsen, glaubt man der Prognose des Landesamtes für Statistik. Die Zahl der Landkreisbewohner soll von 129.128 im Jahr 2020 auf 143.700 in 2040 steigen.

Doch die eigentlich positive Nachricht ist auch mit enormen Herausforderungen verbunden, wurde von den Teilnehmern des dritten Online-Workshops eingeschätzt, der im Rahmen der Erarbeitung der neuen LEADER-Entwicklungsstrategie stattfand. Denn die Infrastruktur wie zum Beispiel Kinderkrippen und Kindergärten muss ebenfalls mit wachsen. „Beim Personal gibt es schon jetzt einen Notstand“, wurde zur Situation in den Kinderkrippen erläutert und ein Bürgermeister bekannte freimütig, dass ihm ein Zuwachs von nur zwei Prozent bedeutend lieber wäre, um mit der Entwicklung in den nächsten Jahren Schritt halten zu können. Steigende Bevölkerungszahlen haben außerdem Auswirkungen auf die Energieversorgung und die Wasser- und Abwasserinfrastruktur. 

Weiter stellt sich durch den Zuwachs die Frage, wo die entsprechenden Wohnflächen für die neuen Einwohner herkommen sollen, wurde weiter diskutiert und auf die Gefahr der steigenden Baupreise hingewiesen, die bereits heute ein hohes Niveau erreicht haben. „In Ilmmünster wird der Quadratmeter Bauland mit 1.000 Euro gehandelt“, wurde als aktuelles Preisbeispiel genannt. Das sei jedoch schon zu hoch für viele Einheimischen, wurde eingeschätzt und eine Vertreterin des Kreisjugendrates machte auch auf die steigenden Mietpreise in der Region aufmerksam, die insbesondere von den Berufsanfängern nicht gezahlt werden können. Positive Ansätze zum Thema gibt es durch die Innenverdichtung, die oftmals von privaten Grundstückseigentümer initiiert wird. „Außerdem gibt es in der Region wenig Leerstände und falls Häuser oder Grundstücke frei werden, sind die schnell weg“, wurde gesagt.  Speziell für die jungen Leute wurden sogenannte Tiny Häuser ins Spiel gebracht und von einem Teilnehmer angeregt, dass Ältere ihr großes Haus an junge Leute abgeben könnten und dafür lieber in die Ortsmitte ziehen. Vertraglich könnte diese „Übergabe“ zum Beispiel über das Erbbaurecht geregelt werden und die Gemeinde sollte dabei helfen, Alt und Jung zusammenzubringen. 

Genauer wurden die für das Jahr 2040 vorausgesagten Veränderungen der Altersstruktur in den Blick genommen. Denn zahlenmäßig werden nicht nur die unter 18-Jährigen, sondern vor allem die 65-Jährigen oder Älteren ansteigen. Für die letztgenannte Zielgruppe ist die Erreichbarkeit der Nahversorgung vor Ort entscheidend, wurde dazu festgehalten und auf die Notwendigkeit von anderen Wohnraum- bzw. Quartierskonzepten verweisen. Bereits vor einigen Jahren ist beispielsweise das EcoQuartier entwickelt worden. Eine Teilnehmerin empfahl die innovativen Umnutzungen im Innenbereich, die in der Gemeinde Kirchanschöring im Landkreis Traunstein erfolgreich angegangen wurden. Außerdem würde es Sinn machen, in neuen Bebauungsplänen eine Art Zentrum für die Versorgung und die Kommunikation bereits mit vorzusehen. Im Chat wurden Genossenschaften und Mehrgenerationenwohnen ergänzt.

In Bezug auf die Nahversorgung wurde positiv festgestellt, dass in letzter Zeit immer mehr Hofläden entstanden sind. Kleine Lebensmittelgeschäfte mussten aber geschlossen werden, auch aufgrund der straken Konkurrenz durch die Supermärkte. Viel Lob gab es für den Direktvermarktungsverein Pfaffenhofener Land. Denn man kann die regionalen Produkte direkt und online bestellen (digitaler Hofladen) und sie dann samstags von 9 bis 12 Uhr in Pfaffenhofen, Rohrbach, Schweitenkirchen, Jetzendorf sowie Scheyern abholen oder nach Hause liefern lassen. Von LEADER sollte die Initiative weiter unterstützt werden, war die Meinung und es gibt noch Potenzial für das Ehrenamt und weitere Abholstandorte. Konkret wurden hierzu Pfarrheime oder überdachte Unterstände in der Ortsmitte vorgeschlagen. Evtl. macht auch ein Fahrzeug Sinn, das die Lieferungen im Landkreis zustellt. Als Beispiel wurde das Projekt HoferLandlieferbus in Oberfranken genannt, wo das funktionierende Mobilitätsangebot auch zum Warentransport genutzt wird. Außerdem wurde eine Unterstützung bei der Online-Bestellung von älteren Bürgerinnen und Bürgern sowie eine mögliche Zusammenarbeit mit den Unverpackt-Läden angeregt. Positiv wurde außerdem festgehalten, dass in der letzten Zeit immer mehr Hofläden entstanden sind, die einen wichtigen Beitrag für eine wohnortnahe Versorgung darstellen.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit wird das Thema Mobilität bei einer der nächsten Veranstaltungen behandelt.


Die Grafiken zur Bevölkerungsentwicklung und -prognose finden Sie hier: https://leader-blog-paf.de/daten/

Schreibe einen Kommentar