Bericht 4. Online-Workshop – Wirtschaften für und in der Region

4. Online-Werkstatt diskutiert über regionale Wertschöpfung, Wirtschaftskreisläufe und Fachkräfte in der LEADER-Region Landkreis Pfaffenhofen

Bei dem letzten der vier Online-Workshops, der am 14. März für die Erarbeitung der neuen Entwicklungsstrategie stattfand, wurden Gefährdungen und Chancen für den regionalen Lebens- und Wirtschaftsraum beleuchtet. Dabei standen die Regionalvermarktung und Fachkräfte sowie als neues Thema die Gemeinwohlökonomie im Vordergrund.

Zu Beginn der Diskussion wurden die regionalen Wirtschaftskreisläufe in den Blick genommen und als Beispiel der Verein Pfaffenhofener Land aufgezählt, der Erzeuger von regionalen Lebensmitteln und die Verbraucher zusammenbringt und dafür das Prinzip der Marktschwärmerei nutzt, das bereits im vorherigen Online-Workshop erklärt wurde. Weil die Regionalvermarktungsinitiative sehr erfolgreich ist und seit Kurzem auch ein Cateringservice angeboten wird, ist es in der LEADER-Region durchaus möglich, sich „komplett vor Ort zu versorgen“, wurde eingeschätzt und auf den Vorteil der Nachhaltigkeit verweisen. Auch Gaststätten wie das Gerolsbad-Bistro arbeiten mit dem Pfaffenhofener Land zusammen und können so Gerichte und Getränke aus regionalen Zutaten anbieten. Ein weiteres Beispiel für regionale Wirtschaftskreisläufe sind Windräder in Bürgerhand, die erneuerbaren Strom erzeugen und zugleich die Wertschöpfung in der Region stärken können, wurde ergänzt. 

Zu den Stärken der Region gehören die starke Wirtschaftsstruktur und insbesondere die ausgewogene Mischung an verschiedenen Branchen: „Wir sind nicht abhängig von der Autoindustrie“, konnte ein Mitglied des Wirtschaftsbeirates den Vorteil erläutern. Jedoch haben vor allem kleine Betriebe durch die Pandemie gelitten, wurde aufmerksam gemacht und welche Folgen der Ukraine-Krieg haben wird, kann noch gar nicht abgeschätzt werden. Weiterführend brachte eine Teilnehmerin die Gemeinwohlökonomie als Chance für die Region ins Spiel. Anstatt finanziellen Zielen Vorrang einzuräumen und auf Wettbewerb zu setzen, stellt dieser Ansatz das Wohlergehen der Menschen in den Mittelpunkt des ökonomischen Handelns und strebt die Verbesserung der Lebensqualität unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten an. Sie regte daher an, dem Beispiel Kirchanschöring in Südostoberbayern und zu folgen und für Gemeinden in der LEADER-Region eine Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen. Dabei werden die eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten der Kommune analysiert und die Nutzung von Handlungsspielräumen zur Schaffung gemeinwohlfördernder Rahmenbedingungen bewertet. Mithilfe von LEADER könnte die Gemeinwohlökonomie durch Vorträge und Netzwerke unterstützt werden, wurde weiter überlegt. Im Kreis Höxter wurde die Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz sogar durch LEADER als Projekt gefördert. Um ein besonders verantwortungsvolles und sinnorientiertes Handeln von Unternehmen geht es der Stiftung Verantwortungseigentum, auf die ebenfalls noch hingewiesen wurde.

Eine große Gefahr liegt im Mangel an Fachkräften, „der bei uns bald ein Riesen-Thema werden wird“, hob ein Vertreter der Stadtwerke hervor. Steigenden Bedarf an Fachkräften gibt es beispielsweise im Bau und im Handwerk, wurde festgestellt und als Grund u. a. genannt, dass viele Häuser in den nächsten Jahren energetisch modernisiert werden müssen. Hinzu kommt das Problem durch die Aus- und Ein-Pendler, weshalb als Idee in Zusammenhang mit der Gemeinwohlökonomie vorgeschlagen wurde, dass Handwerksbetriebe Aufträge vorzugsweise in der Region annehmen sollten und über die Nachhaltigkeit die Region attraktiv zu machen. Als Beispiel wurde die Stadt Pfaffenhofen genannt, die bereits 2017 die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen anerkannt hat. Personalmangel gibt es aber auch im öffentlichen Bereich, wo meist niedrigere Löhne als in der freien Wirtschaft bezahlt werden, lautete ein weiterer Aspekt. Einkommen ist aber heutzutage oft nicht mehr das Wichtigste an der Arbeit und immer mehr Menschen suchen auch Sinn in ihrer beruflichen Beschäftigung. „Ich arbeite für die Gemeinschaft vor Ort“, wurde als mögliche Motivation formuliert.

Bei der Nachwuchsgewinnung und -bindung unterstützt das Kommunalunternehmen Strukturentwicklung Landkreis Pfaffenhofen (KUS) die Betriebe und die gute Zusammenarbeit zwischen den Betrieben und den Schulen wurde gelobt. Hier gibt es aber noch Handlungsbedarf und speziell das Handwerk und die Handwerksberufe sollten mehr gefördert werden, „damit das Handwerk nicht mehr zweite Wahl ist“, war eine Meinung. Im Chat wurde auf die Nachwuchsförderung im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie auf die Unterstützung von Unternehmen in der Digitalisierung verwiesen. Positiv ist auch, dass der Landkreis „Bildungsregion“ und seit letztem Jahr sogar „Digitale Bildungsregion“ ist. Neben den vielfältigen Bildungsangeboten (duale Ausbildung etc.) spielen auch die weichen Standortfaktoren des Landkreises eine Rolle und gerade junge Leute sehen heutzutage einen Mehrwert im Leben auf dem Land, wurde als aktueller Trend für die LEADER-Region eingeschätzt. Außerdem spielt bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern das Thema bezahlbarer Wohnraum eine immer wichtigere Rolle, wurde ergänzt. „Eine weitere Lösung können und müssen Fachkräfte aus dem Ausland sein“, wurde von der Initiative Regionalmanagement Region Ingolstadt (IRMA) festgehalten und als Konsequenz eine Willkommenskultur sowie eine Zusammenarbeit von mehreren Landkreisen mindestens auf Ebene der Planungsregion 10 betont.

Um die Region weiter voranzubringen, ist auch das Ehrenamt wichtig. Hier wurde zum einen angesprochen, dass die gemeinnützigen Vereine mehr Unterstützung benötigen. Zum anderen sollte das Ehrenamt jedoch erneuert werden, weil es für junge Leute nicht mehr attraktiv ist, sich in einem Verein zu engagieren, lautete ein Hinweis. Ein Hemmnis wird dabei in der schwierigen Mobilität für Jugendliche auf dem Land gesehen.

Abschließend wurde der Hallertauer vorgestellt, mit dem die Bürger seit 2014 in der Region neben dem Euro bezahlen können. Zum Hintergrund konnte ein Vertreter erläutern, dass durch die Regionalwährung das Geld in der Region bleibt und die regionalen Wirtschaftskreisläufe gestärkt werden. Außerdem entstehen bei jedem Umtausch von Euro in Hallertauer drei Prozent Fördergelder, die individuell an verschiedene örtliche Vereine und Gruppen zugewiesen werden können. Als Idee wurde noch aufgenommen, ein mehrtägiges Symposium zum Thema Nachhaltigkeit durchzuführen, das finanziell über den Hallertauer abgewickelt wird. Für die Zukunft wünscht man sich ein digitales Regionalgeld. 

Weiter geht es mit der Strategiewerkstatt am 30. April um 14 Uhr im Hopfenmuseum Wolnzach.

.

Schreibe einen Kommentar